Vorstellung detox

Forum für HIV-Positive und Angehörige

Vorstellung detox

Beitragvon detox » So Sep 09, 2018 7:03 pm

Dear all,

möchte mich nun als neue Clubmitglied der Positiven vorstellen :)

Bei mir wurde Mitte August diagnostiziert, dass ich das HI Virus in mir trage. Angesteckt habe ich mich wohl ca. 8 Wochen davor.

Für alle "Symptomhunter" im Netz (zu denen ich vor meiner Diagnose natürlich auch zählte), die Angst haben sich infiziert zu haben und wissen wollen wie die akute Phase bei mir ablief (WICHTIG: Wie schon oft hier im Forum erwähnt: HIV wird nicht durch Symptome definiert, nur ein Test kann Dir zeigen ob du positiv bist oder nicht):

Es begann ca. 2 Wochen nach RK mit einem leichten Hautausschlag an den Seiten meines Oberkörpers mit rosa Flecken die nicht gejuckt haben und auch nicht spürbar waren. Der Ausschlag hat sich dann etwas weiter über die Brust verteilt und war auch etwas an den Unterarmen sichtbar. Alles aber noch im Rahmen und nicht grossartig störend. 3 Tage später bekam ich plötzlich Halsschmerzen und einen eigenartigen Ausschlag auf der Zunge, den ich laut Google Diagnose damals dem Mundsoor zugeordnet habe. Dazu kam Nachtschweiss. So ging es dann ca. 3 Wochen weiter. Ich fühlte mich insgesamt recht fit, hatte leichte Halsschmerzen die nicht wirklich stark waren. Am lästigsten war der Ausschlag auf der Zunge, der sich echt pelzig anfühlte und auch beim Essen störte. Ich konnte in den 3 Wochen noch normal Arbeiten gehen, Sport machen, etc. habe mich aber dennoch permanent minimal abgeschlagen gefühlt und "spürte" irgendwie, dass etwas nicht stimmt..

Nach diesen kamen dann noch weitere Symptome hinzu. Mein Urin wurde auf einmal sehr dunkel (dunkelgelb, obwohl ich täglich ca. 3 Liter Wasser trinke und so gut wie nie Alkohol trinke) und ich begann mich körperlich sehr schwach zu fühlen. Dazu bekam ich ein starkes Jucken unten an meinem (sorry) Hodensack. Die Symptome wurden immer stärker und ich bekam bei der leichten Anstrengung starke Kopfschmerzen und musste mich hinlegen. Schlafen wurde auch immer schwieriger, da meine Nase sich permanent verstopft angefühlt hat. Appetit war auch nicht mehr viel da, habe in der Zeit 4kg abgenommen, da ich schlichtweg aufgrund meiner Erschöpfung und des Ausschlags auf der Zunge keine Lust hatte etwas zu essen. Auch der Juckreiz am Hoden wurde so stark, dass sich dort offene Stellen bildeten und ich ein sehr starkes Brennen und Jucken hatte was nicht mehr weg ging.

Zu den Symptomen: Da bei mir neben HIV auch Syphilis diagnostiziert wurde, ist es nicht ganz klar welcher Symptome welcher Erkrankung zuordnen zu sind.

Nach ca. 3 Wochen in diesem Zustand entschied ich mich endlich dazu meinen Hausarzt aufzusuchen und meine Symptome und meinen RK zu "beichten". Erschreckend fand ich, dass der Hausarzt meinte dass ist sicher nur dies oder das und da brauchen wir erstmal keinen HIV Test. Ich bestand dann darauf, dass auch ein HIV Test gemacht wurde. Anscheinen scheint es für Ärzte immer noch etwas ganz Schlimmes und "Verbotenes" zu sein, einem Patienten einen HIV Test anzubieten. Aber gut das ist ein anderes Thema.

Beim Hausarzt wurde mir dann Blut abgenommen welches in ein Labor verschickt wurde und mir wurde gesagt ich müsse auf die ersten Werte ca. 3 Tage warten. Da ich es aber nicht abwarten konnte, bin ich dann am nächsten Tag zur lokalen AIDS Hilfe und habe dort einen anonymen Schnelltest gemacht. Unendliche Anspannung, Angst, ich war mir ja eigentlich sicher, dass der Test positiv sein muss.. und dann die große Überraschung: NEGATIV. Ich konnte es nicht fassen, war überglücklich, mein Leben geht weiter, alles ist gut, umsonst verrückt gemacht die letzten Wochen.. ich war einfach total erleichtert.

Dann hatte ich am nächsten Tag einen Termin bei meinem Hausarzt zur Besprechung meiner Blutwerte. Ich war sehr gut gelaunt und freute mich auf die Besprechung. Als ich dann in das Zimmer der Ärztin kam und wir uns hingesetzt hatten sagte die Ärztin mir gleich als Erstes Folgendes: Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass der Test auf HIV eine Reaktion gezeigt hat. FASSUNGSLOSIGKEIT.. Mir wurde schwarz vor Augen.. ich konnte es nicht fassen, gestern noch negativ getestet und jetzt auf einmal doch positiv!? Wie kann das sein!? Ich war total verwirrt und die ersten Stunden danach waren wirklich komisch für mich, es schiessen einem Tausend Gedanken durch den Kopf. Was mir im ersten Moment sehr stark geholfen hat, ist dass ich es sofort meiner Freundin mitgeteilt habe. Ich habe das große Glück, dass Sie mich unterstützt und einen Verwandten hat, der seit 20 Jahren mit HIV lebt und daher weiss sie, dass die Krankheit heute kein Todesurteil mehr ist. Ich sollte dann noch direkt an dem Tag zum SPA gehen, es war alles wie vernebelt ich bin einfach vor mich her getrieben an dem Tag habe nichts wirklich wahr genommen etc.. Beim SPA wurde ich erstmal auf Herz und Nieren gecheckt und bekam danach die Nachricht, dass meine Leberwerte sehr schlecht sind (daher auch der dunkle Urin). Da ich schon viel im Internet gelesen hatte, konnte es sich hierbei um eine Hepatitis handeln, was mich natürlich noch mehr fertig machte.. Einige Tage später bekam ich dann per Anruf die Nachricht meines SPA dass es sich bei den schlechten Leberwerten "nur" um Syphilis handelt. Ganz toll, das also auch noch. DIe Syphilis wurde dann mit Penicilin behandelt, was mit auch noch 3 harte Tage mit vielen Beschwerden einbrachte, da ich wohl eine Penicilin Allergie habe. Alles in allem eine ziemlich harte Zeit, die mich viele Nerven gekostet hat, viel Frust verursacht hat und super anstrengend für mich war.

Mittlerweile ist die Syphilis geheilt und ich habe 5 Tage nach der Diagnose (das ist jetzt 3 Wochen her) mit der Einnahme der HAART begonnen. Ich nehme Descovy und Tivicay mit einmalig pro Tag. Meine Startwerte sind CD4 535 und VL 8500. Das sind, korrigiert mich bitte wenn ich mich irre, für en Beginn recht niedrige Werte, die hoffentlich schnell "unter Kontrolle" gebracht werden von der HAART. Ich habe viel gelesen, mich viel informiert und viel mit meinem SPA diskutiert. Aufgrund meiner Recherchen und auch der Diskussionen mit meinem SPA (leitender Arzt in einem der führenden deutschen HIV Forschungszentren) bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ein sofortiger Start der HAART am Besten für mich ist. Ich habe ein sehr geregeltes Leben und konnte die HAART bis jetzt sehr gut in mein Alltagsleben integrieren. Anfängliche Nebenwirkungen waren bei mir sehr schlechter Schlaf, wobei ich nicht genau zuordnen kann wieviel davon mit den Medis und wieviel davon mit dem seelischen Stress dem ich die letzten Wochen ausgesetzt war zu tun hat. Mittlerweile kann ich wieder sehr gut schlafen, gehe wieder Arbeiten und komme auch langsam in meinen Sport wieder rein.

Insgesamt werde ich noch Zeit brauchen mich damit "abzufinden", befinde mich aber auf einem guten Weg. Was geschehen ist ist geschehen und ist nicht mehr zu ändern. Mein sexuelles Verhalten war nie ohne Risiken und somit kann ich mich jetzt auch nicht für immer in der deprimierten Opferrolle bewegen. Man muss Verantwortung für seine Taten übernehmen.

Ich denke es ist wichtig sich viel mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich viel und noch mehr und noch mehr darüber zu informieren. Je mehr ich über dieses Thema informiert bin, umso "besser" geht es mir damit. Die HAART hat in den letzten 2 Jahrzehnten unglaubliche Fortschritte gemacht und wer weiss schon, welche medizinischen Entwicklungen es hier noch in den nächsten 2 Jahrzehnten geben wird. Ich bin froh darum, dass ich (hoffentlich) ein einigermaßen normales Leben führen werden kann.

Was mir Kraft gegeben hat sind meine Freundin, die trotz der Diagnose zu mir hält und intensive Gespräche mit meinem SPA, der sich nie davor gescheut hat mir alle Fragen zu beantworten und seine Meinungen zu allen Themen zu sagen. Doch was mir am allermeisten geholfen hat, sind Berichte und Beiträge von realen Menschen wie euch in Foren wie diesem!!! Ohne Foren wie diesem wäre das Ganze für mich doppelt so schwer und weniger greifbar gewesen. EIN GANZ GANZ GROSSES DANKESCHÖN AN ALLE AKTIVEN MITGLIEDER IN DIESEM FORUM, DIE DAZU BEITRAGEN, DASS MAN SICH INFORMIEREN KANN, DASS MAN SICH HOFFNUNG HOLEN KANN UND DASS IHR ANGST NEHMT UND KRAFT FÜR DIE ZUKUNFT GEBT! Ich denke das ist eine große soziale Leistung und wird viel zu selten gewürdigt.

So das war jetzt sehr viel Geschreibe und es hat gut getan das alles mal los zu werden :)

Freue mich auf Diskussionen, Gespräche und bin gespannt wie mein Leben weiter geht! Fragen immer gerne, auch per PN

Kind regards, detox
detox
 
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Re: Vorstellung detox

Beitragvon westfale » Mo Sep 10, 2018 7:36 am

hallo detox,

erst einmal willkommen hier im forum. die symptome gehen wohl eher auf die syphillis zurück, als auf hiv. bei deinen anfangswerten wirst du dich sehr schnell wieder normal fühlen. für den schnelltest bei der aids-hilfe war wohl die zeitspanne vom rk zu kurz.

liebe grüße
westfale
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jan. 2008 hz 100 vl 2,2 mio.
jan. 2009 hz 177 vl 0
jan. 2010 hz 626 vl 0
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truvada, prezista 600, norvir ab aug. 2011
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feb. 2017 hz 466 -29% vl <40 ; descovy tivicay
westfale
 
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Re: Vorstellung detox

Beitragvon joya » Mo Sep 10, 2018 10:08 am

Willkommen im Forum und danke für Deinen Erfahrungsbericht, der anderen Neuinfizierten sicher eine Orientierung geben wird. Was die Werte betrifft, fahren sie in der akuten Phase der Infektion ja bekanntermaßen Achterbahn und verlaufen bei jedem anders. Insofern kann man schlecht sagen, ob Deine CD4-Werte "niedrig" waren. Gut ist, dass Du gleich mit der Therapie begonnen hast, damit Dein Immunsystem die Chance hat, zur Stärke vor der Infektion zurückzukehren.

Sicherheitshalber sei für alle HIV-Phoben noch einmal darauf hingewiesen, dass man von irgendwelchen Symptomen nicht direkt auf HIV schließen kann. Eine Häufung ungewöhnlicher Symptome wie bei detox sollte aber den Anstoß geben, sich auf Geschlechtskrankheiten testen zu lassen. Nur der Test gibt die Sicherheit.

Für den Schnelltest war das Diagnosefenster wohl zu kurz.
1/2009 Infektion, 7/2010 Diagnose, 1/2011 Truvada+Reyataz+Norvir, 3/2014 Truvada+Tivicay, 5/2016 Descovy+Tivicay, 4/2018 Rilpivirin+Cabotegravir (Studie)
2018: CD4 646~800/37~44% / CD4/CD8-Ratio ~1.2 / Viruslast <50
2017: CD4 656~800/39~41% / 1.2~1.3 / <20
2016: CD4 589~800/31~41% / 0.9~1.3 / <20
2015: CD4 660~814/33%~42% / 0.9~1.2 / <20
2014: CD4 504~780/34%~42% / 0.9~1.3 / <20
2013: CD4 588~665/35%~42% / 0.9→1.25 / <20
2012: CD4 370~760/33%~38% / <20
2011: CD4 423→576/23%→32% / <20
2010: CD4 266~299/20% / 4911~31100
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Re: Vorstellung detox

Beitragvon orlando3 » Di Sep 11, 2018 1:36 pm

Auch von mir ein herzliches willkommen.
Ansonsten bin ich der gleichen Ansicht wie westfale.
Scheue dich nicht Fragen zu stellen.
Im Zusammenhang mit den Cd4 sind auch immer die %Termin wichtig.
Dein Arzt weiss was damit gemeint ist. LG orlando
pos seit mind. ende 84,med´s seit 04/07
7/10 342 23,6 % < NW
6/11 167 19 % <NW
3/12 185 21% <NW
10/12 433 26% <NW
2/13 262 26% <NW
12/13 355 24% <NW
seit 6.2. Truvada/Tivicay
3/14 499 27% <N
10/14 330 23 % <NW
2/15 440 23%. < NW
seit 5 monaten auf descovy/isentress (1/tgl)
12/16 888 30% < NW
Ggt,got,gpt gut
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